Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse 2019 – es wird politisch

Für mich begann die Woche erst so richtig mit dem Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse 2019. Ich fuhr zwar schon früh los, war aber dennoch erst relativ spät auf dem Messegelände… Denn erst fuhr ich zu meinem Hotel um einzuchecken, was jedoch etwas außerhalb in der Nähe des Flughafens war. Das hat schon etwas Zeit in Anspruch genommen, ich kam aber relativ schnell wieder weg. Dann fing das Chaos aber an: Ich fuhr ins falsche Parkhaus am Messe-Turm und wunderte mich über 37 € Parkgebühren ab 6 Stunden… Das hatte ich anders im Kopf!

Ich war ja schon in vergangenen Jahren häufiger auf der FBM und konnte mich aber nicht mehr so richtig daran erinnern, in welches Parkhaus ich fahren musste. Nur dass ich da falsch war, war mir sofort klar. Ich fragte also am Info-Stand nach, welches Parkhaus das richtige sei und wie die Anschrift fürs Navi ist – Allerdings wusste die Info das gar nicht! Die nette Dame rief bei jemand anderen an und sagte mir dann, ich müsste zu P4 ans Tor Nord… Hmm, das kam mir auch gar nicht bekannt vor aber ich nahm es erstmal so an… Sie sagte mir aber ich solle noch mal am Stand für die Akkreditierung nachfragen, die wüssten es genau.

Erstes Abenteuer: Die Parkhaussuche

Gesagt, getan: Ich fragte bei der Akkreditierung nach. Ergebnis? Keins. Sie wussten es nicht… “Aber vielleicht fragen Sie mal an der Kasse.”… Also ging ich auch noch zur Kasse und ratet mal wie das Ergebnis war! RICHTIG. “Oh davon hab ich keine Ahnung, tut mir leid… Aber fragen Sie mal meinen Kollegen da drüben”.

Also bin ich zu ihrem Kollegen an eine andere Art der Kasse und der war zwar auch sehr hilfsbereit und nett, wusste aber auch nicht so richtig wie er mir helfen kann. “Dann können Sie jetzt nur noch an der offiziellen Kasse fragen, ich weiß es leider nicht”. Das wäre dann aber tatsächlich auch meine allerletzte “Nachfrage-Möglichkeit” gewesen und so langsam kam ich mir auch richtig dumm vor. Das kann jawohl nicht sein, dass niemand weiß, wo die Presseparkplätze sind? Grrr… Ich verfluchte mich schon innerlich, dass ich es nicht einfach gegoogelt habe aber mein Netz war auch nicht besonders großartig… Also ging ich grummelnd zu meiner letzten Hoffnung als plötzlich der letzte Herr, mit dem ich gesprochen hatte, mir hinterherlief und mich aufhielt. “Ich hab doch noch was rausgefunden! Sie müssen zum Rebstock Parkhaus” : ) DAS sagte mir dann auch endlich etwas und so konnte ich doch ENDLICH wieder rausfahren aus dem falschen Parkhaus (3,80 € Gebühr für ca 10 Minuten sagen ja alles!) und ins richtige Parkhaus fahren. Auf dem Weg dorthin war natürlich erstmal Stau aber ich kam so noch einigermaßen rechtzeitig auf dem Messegelände an.

Das richtige Parkhaus vergesse ich nie wieder

Auf dem Gelände der Buchmesse angekommen, fand ich zum Glück ziemlich schnell Martin und fühlte mich auch schon gleich viel besser aufgehoben.

Ich konnte noch fast das gesamte Gespräch von Robert Habeck und Jean-Baptiste Del Amo anhören, was sehr interessant war.

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Meine erste Veranstaltung war also die Diskussion am Weltempfang mit Robert Habeck (Bundesvorsitzender von Die Grünen) und Jean-Baptiste Del Amo (französischer Autor), moderiert von Cord Riechelmann (Publizist, Autor).

Das Thema der Diskussion war “Kranke Haltung: Das Mensch-Tier-Verhältnis in der industriell betriebenen Zucht”

In Jean-Baptiste Del Amos Roman “Tierreich”* geht es um ein vielfach diskutiertes Thema, nämlich der Massentierhaltung. Im Roman erzählt er von einer Familie, die von der Schweinezucht lebt und stellt die Entwicklung ihres Bauernhofs hin zu einer Massenzucht dar.

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Sie sprachen darüber, dass die Menschen sich immer weiter von der Natur entfernen und wie bzw. ob man es noch schaffen kann, diese Entwicklung aufzuhalten. Robert Habeck sprach über zeitgemäße Agrarpolitik und vor allem auch darüber, wo uns noch die richtigen Tierschutz-Gesetze in Deutschland fehlen.

Kükenschreddern als Beispiel

Als eindrückliches Beispiel brachte Robert Habeck das Kükenschreddern an, was in Deutschland immernoch erlaubt ist, wenn es wegen eines “vernünftigen Grundes” geschieht. Dieses Gesetz war Mitte 2019 in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestätigte leider, dass die Brutbetriebe so lange weiterhin männliche Küken töten dürfen, bis es ein alternatives flächendeckend nutzbares Verfahren zur Bestimmung des Geschlechts gibt. (Quelle)

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Um 16:30 Uhr ging es weiter mit der Eröffnung des Weltempfangs. Die Runde befasste sich mit dem Thema:

Das Anthropozän – steht die Kultur über der Natur?

Zugegeben, das Wort “Anthropozän” musste ich nachschlagen. Schade, dass das Wort so sperrig ist denn der Gedanke, der dem Ausdruck zu Grunde liegt, ist sehr spannend.

Der Ausdruck Anthropozän (zu altgriechisch ἄνθρωπος ánthropos, deutsch ‚Mensch‘ und καινός ‚neu‘) ist ein Vorschlag zur Benennung einer neuen geochronologischen Epoche: nämlich des Zeitalters, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist. (Quelle: Wikipedia)

Zu Beginn gab es Grußworte von Jürgen Boos, dem Direktor der Frankfurter Buchmesse, sowie von Irmgard Maria Fellner, der Leiterin der Abteilung Kultur und Kommunikation beim Auswärtigen Amt.

Jürgen Boos Weltempfang Frankfurter Buchmesse 2019
Jürgen Boos

Jürgen Boos sprach über den Klimawandel und sagte: “Es ist die Verantwortung jedes Einzelnen.”

Ebenfalls sprach er über den Ehrengast in diesem Jahr – Norwegen – und gab uns einen Blick hinter die Kulissen: Seit Anfang der 80er Jahre lassen die Verantwortlichen der Frankfurter Buchmesse den Ehrengast selbst entscheiden, wie er sich präsentieren will. Die Länder dürfen selbst bestimmen, welche Stände für die Buchmesse relevant sind und so wird der Ehrengast zu keinem Zeitpunkt künstlich in eine bestimmte Rolle gedrängt.

Irmgard Maria Fellner Weltempfang Frankfurter Buchmesse 2019
Irmgard Maria Fellner

Irmgard Maria Fellner sprach ebenfalls über den Klimawandel und den damit einhergehenden Umbruch. Mit ihrem Satz “In Umbruchsituationen wächst immer auch das gestalterische Potential” weckte sie Hoffnung und verlagerte den Fokus hin zum Positiven.

Mit ihrer Aussage “Wir leben in einer Welt, die nach neuer Ordnung ringt” gelang es ihr den Bogen zum Thema Anthropozän zu schlagen.

Nach der Eröffnung ging es dann an die eigentliche Gesprächsrunde.

Prof. Dr. Harald Welzer Dr. Friederike Otto Maja Lunde Jenny Friedrich-Freksa Weltempfang Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse 2019
v.l.n.r: Prof. Dr. Harald Welzer, Dr. Friederike Otto, Maja Lunde, Jenny Friedrich-Freksa

Die norwegische Autorin Maja Lunde, die deutsche Klimatologin Dr. Friederike Otto, die das Environmental Change Institute an der Oxford University leitet, sowie der Direktor von FUTURZWEI und Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg Prof. Dr. Harald Welzer nahmen an der Gesprächsrunde teil.

Diese Veranstaltung, die etwa eine Stunde dauerte, war für mich sehr interessant und wahnsinnig informativ. So erklärte Dr. Friederike Otto: “Etwa alle 100 Jahre passiert so eine Hitzewelle wie in Frankreich dieses Jahr Ende Juli nach den Erkenntnissen aus der Wetterforschung. Das gleiche Ereignis in Frankreich hätte jedoch ohne den Klimawandel nur etwa alle 1.000 Jahre oder noch seltener passieren dürfen.”

Sie sprach allerdings auch darüber, dass es nicht so leicht zu differenzieren ist, welche Naturereignisse auf den Klimawandel zurückzuführen sind und welche nicht. Otto fand klare Worte, was ich sehr positiv wahrgenommen habe:

“Die, die für den Klimawandel bezahlen sind immer die, die am verletzlichsten sind. Es sind nicht die Lobbyisten, die für die Schäden am Klima bezahlen.”

Prof. Dr. Harald Welzer erklärte uns das “1. Gebot der Gesellschaft: Du sollst kaufen!”. Den Hinweis “Das Anthropozän sollte daher Kapitalozän heißen” fand ich besonders passend.

Welzer antwortete auf die Frage, weshalb wir Menschen die Veränderung nicht mehr vorantreiben: “Jede Form der Veränderung wird als Verzicht wahrgenommen.” Wir Menschen würden vor allem mit unserem Konsumverhalten dafür sorgen, dass es eine immer intensivere Form der Zerstörungsgemeinschaft gäbe. “Menschen sind phantastisch darin, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen, solange sie keine existenzielle Bedrohung bedeuten.”

Maja Lunde Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse 2019
Maja Lunde

Maja Lunde wurde gefragt, ob sie bei den Menschen eine Sehnsucht nach der Natur wahrnimmt, eben weil die Natur nach und nach verschwindet. Sie antwortete “Wir Menschen müssen es wirklich fühlen, um eine Veränderung zu bewirken. Wir müssen es sehr persönlich machen. Wir sind wunderschöne Tiere, wir müssen die Veränderung wirklich wollen um sie voranzutreiben.” (Original: “For us we need to feel, to make a change. We need to make it personal. We are beautiful animals, we need to really want the change.”)

Wer jetzt denkt, dass die Veranstaltung nur negativ konnotiert war, den kann ich gern beruhigen: Es wurde auch gelacht. Zum Beispiel als Dr. Friederike Otto von einem ganz persönlichen Situation aus ihrem Alltag berichtete. Sie erzählte, dass ihr Sohn sich den Familienstammbaum angesehen hat und sie dann ansprach mit den Worten “Mama, da muss ein Fehler drin sein! Das kann doch nicht sein, dass alle Männer immer nur Frauen geheiratet haben!”.

Diese kleine Situation zeigt eins deutlich und dafür fand Otto auch die richtigen Worte, die ich gerne zitiere: “Vieles ist heute besser als früher.”

Das war mein Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse 2019

In den nächsten Tagen geht es weiter mit meinem nächsten Bericht zum Donnerstag auf der FBM!

Solange könnt ihr hier meine anderen Buchmessen-Berichte finden:

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