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Jesse Browner – Alles geschieht heute [Rezension]

Titel: Alles geschieht heute
Autor: Jesse Browner
Genre: Roman
Erschienen: 30.07.2014
Verlag: Freies Geistesleben
Seiten: 249
erhältlich als: Hardcover, eBook
Reihe: nein

“Die Frage nach dem “Warum?” ist nicht immer leicht zu beantworten..
Greenwich Village ist schön am frühen Morgen. Nur für Wes
nach seinem ersten Mal mit der Falschen nicht. Warum Lucy? Ausgerechnet
sie! – In einem unentwegten Strom von Gegenwartserleben, Erinnerungen
und Reflexionen erzählt Jesse Browner, wie Wes im Laufe dieses Tages
damit (und mit sich selber) umgeht. Näher kann man Wes nicht kommen. Ein
überraschendes, intensives – ein starkes Buch.” [Quelle:klick

 
Das Cover ist passend zum Buch. Man sieht nur einen Jugendlichen, der scheinbar alleine auf einer Straße vor einer Wand steht, die dominanteste Farbe ist grau. Es sagt überhaupt nichts über den Inhalt aus und man kann auch nicht erahnen, um welches Genre es sich handeln könnte. Ich finde es sehr neutral, weder schlecht noch gut. Passend ist es in gewisser Weise schon.

Wenn man den weiten Weg von der Upper East Side nach Greenwich Village zu Fuß gelaufen ist, und das mitten in der Nacht, sollte man sich eigentlich freuen, wenn man endlich zu Hause ist.

 

Man könnte sagen Wes ist ein ganz normaler Jugendlicher mit normalen jugendlichen Problemen aber das entspricht nur halb der Wahrheit. Das mit den Problemen ist richtig: Wes lebt mit seiner kleinen Schwester Nora, seinem Vater, den er wegen dessen gescheiterten Träume erfolgreicher Schriftsteller zu werden verachtet, und seiner sehr kranken Mutter zusammen und fühlt sich in der Pflicht, sich um Mutter und Schwester rund um die Uhr zu kümmern. 

Zudem ist Wes auch noch verliebt in Delia, die ihrerseits jedoch keinerlei Interesse an ihm zu haben scheint, das über eine Freundschaft hinaus geht. So hat er es sich zur Aufgabe gemacht, für Delia zu einem besseren Menschen zu werden. Denn er ist noch Jungfrau und möchte sein erstes Mal auf jeden Fall mit seiner Angebeteten verbringen – bis er sich auf der Party von Lucy wiederfindet und ungeplant mit ihr im Bett landet.

Wes ist aber eins ganz sicher nicht: ein ganz normaler Jugendlicher.
Wes beschäftigt sich im Grunde genommen nur mit einer einzigen Sache: Sein Leben und dessen Bedeutung in die kleinsten Einzelteile zu zerlegen und zu analysieren.  

“Alles geschieht heute” spielt sich an nur einem einzigen Tag ab, nämlich dem Tag nach der Nacht mit Lucy, die in Wes’ Augen alles verändert hat. Wir erleben also mit Wes seinen Tag, in dem er sich um seine Schwester Nora und seine todkranke Mutter kümmert und eine Facharbeit für die Schule schreiben muss. Die Darstellung an nur einem Tag hat sicherlich ihre Reize. Vor allem wenn wirklich etwas passiert an diesem einen bestimmten Tag. Tut es aber leider in “Alles geschieht heute” nicht.

In diesem Buch soll es um Existenzängste von Jugendlichen gehen, um philosophische Gedanken und der Auseinandersetzung mit sich selbst. Den philosophischen Teil davon hat Jesse Browner meiner Meinung nach leider sehr übertrieben.

Ich hab dieses Buch bei Blogg dein Buch entdeckt und fand den Ansatz spannend, da ich mich auch gerne mit philosophischen Fragen auseinandersetze und ich der Meinung bin, dass jugendliche Existenzängste ein sehr gutes Thema für einen Roman ist. Allerdings hab ich diese Existenzängste nicht im Buch gefunden. Oder meine Definition von Angst ist eine völlig andere… 
 
Wes verachtet sich dafür, dass er nicht stark genug war, sich für Delia “aufzusparen”, gleichzeitig hält er sich aber auch für wahnsinnig intelligent. Die Schule unterfordert ihn, die Facharbeit die er neu schreiben soll, existiert eigentlich schon geschrieben in seinem Kopf bevor er den ersten Satz zu Papier bringt. Er will Schriftsteller werden, vermutlich um seinem Vater zu zeigen wie man es richtig macht, denn der veröffentlichte ein erfolgloses Buch und träumt von einer Autoren-Karriere. 

Die Mutter ist schwer krank und pflegebedürftig, die kleine Schwester erschafft sich eine Parallelwelt mit einer “Therapieratte” Bobby, durch die sie spricht wenn sie etwas stört. Bei den beiden Punkten dachte ich, das Buch würde die Kurve kriegen doch leider wird weder über die Mutter noch über die Tochter auch nur ansatzweise genug berichtet. Die durch sie entstehenden Probleme werden zwar angerissen, es wird aber überhaupt nicht in die Tiefe gegangen. Auch Wes’ Verhältnis zu seiner Mutter wird viel zu emotionslos und neutral beschrieben, ich konnte mich da nur an sehr wenigen Punkten in ihn hineinfühlen. Sehr schade, sind doch Schwester und Mutter die beiden Charaktere, die ich als einzige interessant fand.

Was mich auch beim Lesen ganz erheblich gestört hat war der Fließtext, in dem das Buch geschrieben ist. Es gibt keine Absätze, keine Kapitel, jeder Satz reiht sich an den nächsten und das macht das wieder-einsteigen in eine Seite, wenn man das Buch mal beiseite gelegt hat, wirklich schwer. Ich hätte im Vorfeld nicht gedacht, dass fehlende Absätze mich so demotivieren könnten. 

Dazu Wes’ Selbstmitleid, seine Arroganz allem bis auf Delia und seiner Schwester gegenüber, viele Bezüge auf Bücher, die ich nicht kenne… Das alles zusammen ergibt leider ein Buch, das mich zutiefst frustriert hat. Und gelangweilt. Bei dem ich Seiten übersprungen habe weil NICHTS passierte. Ein Buch, welches ich leider nicht empfehlen kann.


Deswegen gibt es von mir heute leider nur 1 von 5 Sternen.

Jesse Browner ist Schriftsteller, Gastro-Journalist und preisgekrönter Übersetzer von u.a.
Jean Cocteau und Rainer Maria Rilke. Seine Romane “Conglomeros” (1992),
“Turnaway” (1996), “The Uncertain Hour” (2007) wurden bei Random House
und Bloomsbury verlegt. Als freier Journalist veröffentlicht er Beiträge
in “The New York Times Book Review”, “New York magazine”, “Food &
Wine” und “Gastronomica”. Sein Roman “Everything happens today” ist 2011
erschienen. Jesse Browner lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in
Manhattan.

Vielen Dank an Blogg dein Buch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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