Ivonne Keller – Lügentanz [Rezension]

Titel: Lügentanz
Autor:  Ivonne Keller
Genre: Roman
Erschienen: 15.12.2014
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 464
erhältlich als: eBook
Reihe: nein

„„Liebst du mich noch?“ Als Michaela Michalsen ihrem Mann David diese
Frage stellt, rechnet sie nicht mit einem „Nein“. Oder gar damit, dass
er sich von ihr trennen will. Liegt es am Schock über seine Antwort,
dass ihr die Erinnerung an ein wichtiges Telefonat fehlt, bei dem es um
ihre eigene Tochter ging? Oder kehren die Aussetzer zurück, die sie
schon vor zwölf Jahren im Griff hatten? Spielt ihr Mann ein falsches
Spiel? Will er sie loswerden? In den Wahnsinn treiben? „[Quelle:klick

 
Bei dem Cover wusste ich zunächst nicht so richtig um welches Genre es sich hier handeln könnte aber im Nachhinein betrachtet passt es recht gut. Das abgebildete Mädchen assoziiere ich mit Michaelas Tochter Karla und die drückende Stimmung passt auch sehr gut zum Inhalt.

Sie hätte den kleinen pulsierenden Punkt auf dem Bildschirm fast übersehen.

 

Michaela hat Geburtstag und steht irgendwie neben sich. Ihre Tochter ist auf einer Klassenfahrt und aus einem Impuls heraus stellt sie beim Frühstück ihrem Mann David eine Frage, die ihr Leben komplett umkrempeln wird. Denn auf ihre Frage „Liebst du mich noch?“ antwortet David „Nein“. Damit hätte sie nicht gerechnet. Und auch mit dem Unfall ihrer Tochter, über den sie angeblich schon morgens durch ein Telefonat informiert wurde, ist sie überfordert. Denn sie erinnert sich absolut nicht an dieses Telefonat und als David ein paar Stunden später auch noch so tut als hätte er niemals gesagt, er würde Michaela nicht mehr lieben, gerät Michaelas Leben völlig aus der Bahn.

Michaela trifft einen Entschluss: Sie zieht aus, in eine fremde Wohnung in Frankfurt um einen Hund zu hüten während der Besitzer eine Weltreise macht. Dort will sie über alles nachdenken und beschließen, wie ihr Leben weitergehen soll. Doch ihre Vergangenheit holt sie auch in Frankfurt ein und auch die junge Frau Lena, die sie kennenlernt, bringt ungewollt so einiges durcheinander.

Ich kannte bisher noch kein Buch von Ivonne Keller, war aber schon öfter über den Namen gestolpert und als ich die Leseprobe von „Lügentanz“ bei Vorablesen entdeckt habe, wollte ich unbedingt in das Buch hineinschnuppern. 

Es fängt schon sehr turbulent und spannend an und man ist als Leser ebenso wie Michaela stark verwirrt, wieso sie diese Aussetzer hat und sich an so wichtige Dinge, wie den Unfall ihrer Tochter, einfach nicht mehr erinnern kann. Auch das scheinbar eingebildete Gespräch mit ihrem Mann, in dem er ihr gesteht er würde sie nicht mehr lieben, ist sehr mysteriös.

Dann wechselt die Sichtweise zu Magdalena von Hohenkamp, die im Folgenden nur noch Lena genannt wird. Ich war mir zu Beginn manchmal nicht sicher ob ich die Handlung richtig verstehe weil sich der Handlungsstrang doch sehr mit dem von Michaela ähnelte und ich deswegen anfangs irritiert war. Doch schnell löste sich die Verwirrung auf denn Lenas und Michaelas Wege kreuzen sich und so kommt es, dass die beiden Freundinnen werden.

Von da an kam auch wirklich keine Langeweile mehr auf, es passieren viele Dinge die am Ende alle sehr gut aufgelöst werden und mich mit einem zufriedenen Gefühl zurücklassen.

Ich fand „Lügentanz“ im Gesamten sehr gelungen, vor allem der psychologische Aspekt hat mir sehr gut gefallen und wurde auch schlüssig erklärt. Ivonne Keller ist es auch gelungen, mich ein paar Mal in eine falsche Richtung zu manövrieren, sodass es auch unerwartete Wendungen gab. 

Allerdings muss ich dann doch einen Stern in meiner Wertung abziehen da ich mich einfach nicht mit Michaela identifizieren konnte. Die Verwirrung und Verzweiflung, die sie empfindet, konnte ich voll und ganz nachempfinden aber ihr zerrüttetes Verhältnis zu ihrer Tochter war für mich doch sehr befremdlich. Michaela empfindend nicht wirklich eine mütterliche Liebe für ihre Tochter Karla, sie scheint ihr vielmehr gleichgültig zu sein. 

Auch ist mir Michaela zu naiv. Sie klammert sich fest an der Freundschaft mit Bea, die in ihrer Kindheit eine große Rolle gespielt hat, jetzt aber falsche Motive zu haben scheint und nur Unruhe stiftet. Das uneingeschränkte Vertrauen zu Bea konnte ich oftmals nicht nachvollziehen und habe die Augen darüber verdreht.

Was ich noch positiv hervorheben möchte sind der lockere Schreibstil sowie die immer wieder eingeworfenen Emails von Bea an Michaela, die bei weiterem voranschreiten der Geschichte immer mehr Sinn ergeben und das ganze abrunden.

Ich habe lange überlegt ob ich 3 oder 4 Sterne vergebe aber ich muss doch sagen, dass es eine sehr angenehme Lektüre war und ich muss deswegen einfach trotz meiner Kritikpunkte 4 von 5 Sternen vergeben. Ich werde sicherlich in Zukunft auch noch weitere Bücher von Ivonne Keller lesen.

Seit ihrer Kindheit liebt Ivonne Keller das Spiel mit der Sprache.
Aufgewachsen in einem hessischen Dorf, begeisterte sie sich bereits in
der Schule für englischsprachige Literatur und lernte später während
eines Auslandsstudiums im andalusischen Granada Spanisch. Die
Faszination für Sprache, gekoppelt mit dem Interesse für alles
Menschliche, führte sie neben ihrer früheren Tätigkeit als Personalerin
zum Schreiben. Dabei interessiert es sie besonders, was mit Menschen
passiert, die kurz davor sind, auszuflippen. Wenn das Leben so
anstrengend wird, dass die Fassade bröckelt und man auf das schauen
kann, was dahinter liegt. Meist sind Frauen ihre Hauptfiguren – so wie
in ihrem ersten Roman »Hirngespenster«. Sie lebt mit ihrem Mann, drei
Söhnen und einer bunten Katze in der Nähe von Frankfurt am Main.

Hier geht es zur Leseprobe!


Ganz herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar an Vorablesen!

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