Zoe Hagen – Tage mit Leuchtkäfern [Rezension]



Titel:
 Tage mit Leuchtkäfern
Autor:  Zoe Hagen
Genre: Roman
Erschienen: 14.03.2016
Verlag: Ullstein
Seiten: 192
erhältlich als: Broschur, Taschenbuch, eBook
Reihe: nein

„»Das Leben ist ein Privileg«, sagte ich. 
»Das Leben ist ein Privileg?«, fragte Noah erstaunt. 
»Ja«, sagte ich. Noah zog die Luft ein, ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er drehte sich zu Fred und den anderen um und fragte: »Wo zum Henker hast du denn den kleinen Gandhi hier her?«

Du bist einsam und unglücklich, dein Leben wie ein falscher Film, der an dir vorbeiläuft. Bis du neue Freunde triffst. Gut, die sind alle ein bisschen verrückt, sie nennen sich »Der Club der verhinderten Selbstmörder«. Aber sie geben dir Halt und sind wie Leuchtkäfer in deiner bodenlosen Traurigkeit. Denn du hast nur das eine Leben.“ [Quelle:klick

Das Cover finde ich wirklich wunderschön, die Farben und die Schrift sind einfach total mein Geschmack und sprechen mich extrem an. Ich würde schon soweit gehen und sagen, es ist bisher das schönste Cover in diesem Jahr!

Lieber Gott, 
ich schreibe, weil ich sonst wahnsinnig werden würde.

Gandhi, von der wir erst sehr spät erfahren wie sie wirklich heißt, ist sehr unglücklich mit ihrem Leben. Zu ihrem Vater hat sie kaum Kontakt und will es auch nicht, ihre Mutter verschließt konsequent die Augen vor Gandhis Problemen, sie hat keine Freunde, dafür aber eine schon ziemlich ausgeprägte Essstörung. Gandhis Leben läuft also geradewegs gegen die Wand. Es besteht nur noch aus Selbsthass, Vorwürfen, weinen und erbrechen und es scheint keinen Weg aus diesem Teufelskreis heraus zu geben – bis sie unverhofft Teil einer Gruppe Jugendlicher wird, die sich „Der Club der verhinderten Selbstmörder“ nennt.

Von nun an besteht der „Club der verhinderten Selbstmörder“ aus 6 Jungs und Mädchen, die alle ihre eigenen schwerwiegenden Probleme haben, die aber mit ihrem Leid zusammen umgehen. Sie haben sich gefunden und helfen sich gegenseitig doch es ist nicht alles so traurig wie es sich anhört, ganz im Gegenteil. In der Absurdität der Welt wird bei Gandhi, Fred, Lynn, Amira, Fabien und Noah sehr viel gelacht, rumgealbert und vor allem verbringen sie sehr viel Zeit miteinander und das tut allen gut. 
Die 6 Freunde wachsen sehr schnell zusammen und helfen sich in allen Lebenslagen, wodurch sich Gandhis Zustand kontinuierlich verbessert. 
„Manchmal ist die Illusion weitaus schöner als die Realität, die Realität nichts als die schlechte Kopie der Vorstellung.“ – 8
In Briefen an Gott beschreibt Gandhi, wie sie sich fühlt und der Leser bekommt wie in Tagebucheinträgen den Lauf der Geschichte dargelegt. Dabei betont Gandhi schon ganz zu Beginn, dass sie nicht wirklich an Gott glaubt und Gott nur eine stellvertretende übergeordnete „Macht“ für sie ist, etwas an das sie schreiben kann um all ihre Gedanken loszuwerden. Diese Einleitung war für mich persönlich sehr gut, da ich selbst nichts mit dem Gebilde Gott anfangen kann, aber Gandhis Wunsch sich auszudrücken sehr gut nachvollziehen kann. So fiel es mir sehr leicht, mich mit der täglichen Anrede „Lieber Gott…“ anzufreunden. 
Die Protagonisten sind mir alle unheimlich schnell ans Herz gewachsen und ich wollte unbedingt wissen, was ihre Probleme sind und wie die Freunde sich gegenseitig in schweren Zeiten stützen. Zoe Hagen hat die Gruppendynamik perfekt aufgebaut, alles erscheint mir wie ein Abbild eines Lebens, was sich ganz genau so hätte abspielen können. 
Die Handlung ist zwar an manchen Stellen extrem, aber dabei keinesfalls übertrieben oder unrealistisch. Zoe Hagen gelingt hier mit einer unheimlich bewegenden Leichtigkeit ein Balanceakt zwischen Leid und Freude, zwischen tiefster Verzweiflung und glücklichstem Höhenflug.
„Dinge müssen wohl immer erst kaputtgehen, um repariert werden zu können“ – 177
„Tage mit Leuchtkäfern“ hat zwar nur 192 Seiten aber diese sind voller Gefühl und man wünscht sich, sie würden nicht mehr enden. Ich habe mir viele Zitate angestrichen, die ich gar nicht alle in diese Rezension packen kann und deswegen noch mal einen gesonderten Zitate-Post machen möchte. 
Ich bin wirklich begeistert von diesem Buch einer so jungen Autorin und werde ihren Werdegang definitiv weiter verfolgen. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.
Zoe Hagen, geboren 1994, steht regelmäßig mit ihren Texten auf der Bühne. 2014 wurde sie deutsche Vize-Meisterin der U20-Poetry Slammer. Ihr Debüt schrieb sie mit 17 Jahren binnen weniger Wochen. Damals hätte sie sich über mehr Glühwürmchen in ihrem Leben gefreut.

Hier geht es zur Leseprobe!





Vielen Dank an NetGalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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