Stephanie Jana & Ursula Kollritsch – Das Jahr des Rehs [Rezension]

Titel: Das Jahr des Rehs
Autor: Stephanie Jana & Ursula Kollritsch
Genre: Roman | Email-Roman
Erschienen: 08.06.2015
Verlag: Ullstein Verlag
Seiten: 272
erhältlich als: Broschur, Taschenbuch
Reihe: nein

„Nach siebzehn Jahren Funkstille schreibt Bella Becker ihre erste E-Mail
an Sabine Born. Früher unzertrennlich, hatten sich die Freundinnen aus
den Augen verloren. Bine fühlt sich ihrer alten Freundin sofort
verbunden, auch wenn die beiden Frauen unterschiedlicher kaum sein
könnten: Journalistin Bella wohnt mit ihrem Sohn und ihrem notorisch
abwesenden Lebensgefährten in Berlin. Bine ist Architektin und mit Mann
und Kindern im hessischen Heimatort hängengeblieben. Das Einzige, was
aus ihrer Vorstadt-Normalität hervorragt, ist ein überdimensionales
Lichter-Reh im Garten. Zwischen Bella und Bine entspinnt sich ein reger
E-Mail-Verkehr, über ein Jahr hinweg, durch kleine und große Krisen,
sonnige Tage und durchtanzte Nächte. Mail für Mail, die mal poetisch und
nachdenklich, mal herzerfrischend komisch sind, finden die beiden
Freundinnen wieder zueinander.“ [Quelle: klick

 
Wie schön ist dieses Cover bitte? Ich finde es macht sich total gut im Bücherregal, es sieht einfach schön aus. Ich mag es wirklich sehr gerne!

Hinter mir im Oldie-Kanal singt Earth, Wind & Fire den Septembersong und schiebt mich mit Schwung zurück in die Tanzschulzeit. Wie immer lache und swinge ich mt… ba-de-ya… Erinnerst du dich? 
Hej, liebe Bine, sag, bist Du’s?

[Heute gibts mal mehr als nur den ersten Satz]

 

Bella und Bine waren in ihrer Jugendzeit die besten Freunde, haben sich jedoch nach der Schule aus den Augen verloren. 

Bine blieb im hessischen Heimatort Engbach wohnen, wurde Architektin, Frau und Mutter. Sie lebt ein gutbürgerliches Kleinstadt-Leben, das sie einst wählte, das sie aber nicht mit Glück erfüllt. Ihre Ehe steckt fest, Bine fühlt sich immer unzufriedener mit sich und ihrem Leben und dann kommt die Veränderung ganz plötzlich in ihr Leben denn ihr Mann Peter trennt sich von ihr und Bine sieht sich gezwungen Entscheidungen zu treffen, die sie lange vor sich her geschoben hat.

Bella lebt als Journalistin in Berlin ein wildes leidenschaftliches Leben, was zunächst erfüllt und wunschlos glücklich wirkt, jedoch auch seine Tücken birgt. Denn der Mann, den Bella schon immer liebte, ihr Andrej, ist fast nie zu Hause. Sie sind nicht verheiratet und trotz größter Liebesbekundungen von Andrej fühlt Bella sich als müsste sie stets um die Liebe und das Funktionieren der Beziehung kämpfen. Auch sie hat einen Sohn und eines Tages auch wieder eine beste Freundin denn nach 17 Jahren Funkstille schreibt sie Bine eine E-Mail. Und Bine schreibt zurück. 

Von nun auch sind die beiden wieder vereint, teilen ihre Leben miteinander und unterstützen sich wie in jungen Tagen und die Zweisamkeit lässt sie viele Hürden überwinden. 

Wer kennt das nicht: In der Schulzeit war man unzertrennlich, die besten Freunde und man dachte das ändert sich niemals. Und doch verliert man sich im Alltag aus den Augen, sieht sich immer weniger und irgendwann reißt der Kontakt völlig ab. Was aber, wenn man die Jahre, die man nicht miteinander geteilt hat, doch noch mal überwinden kann? Funktioniert eine innige Freundschaft auch nach fast zwei Jahrzehnten noch wie früher? 

Bine und Bella sind grundverschieden und trotzdem verbindet sie eine gemeinsame Vergangenheit. Jetzt teilen sie auch wieder ihre Gegenwart miteinander, stets in Emails, später auch ab und zu von Angesicht zu Angesicht. 

„Sind es nicht immer dieselben Themen, um die die Welt sich dreht und wir mittendrin?“ – Seite 177

„Das Jahr des Rehs“ ist demnach auch als Email-Dialog aufgebaut, dazwischen gibt es keine Beschreibungen oder ähnliches. Die Lücken zwischen den Emails schließen sich manchmal, manchmal auch nicht und dann bleibt es der Fantasie des Lesers überlassen, sie zu überbrücken. Diese Art des Erzählens finde ich unheimlich spannend und interessant, ich mochte schon Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ wahnsinnig gerne, ebenfalls aus diesem Grund. „Das Jahr des Rehs“ ist zwar nicht so poetisch wie Glattauers Werk, dennoch genauso unterhaltsam und erfrischend, kurzweilig und absolut realitätsnah. 

Ich habe das Buch innerhalb kürzerster Zeit gelesen und konnte es nicht mehr aus den Händen legen. Im Nachwort wird auch klar wieso das Ganze so überzeugend echt wirkt: Die beiden Autorinnen Jana ud Kollritsch sind für das Buch vollkommen in die Rollen von Bine und Bella geschlüpft und sie haben sich diese Emails selbst geschrieben. Immer mit der Regel im Kopf, dass alle Ereignisse nicht vorher abgesprochen wurden. So konnte sich die Geschichte wunderbar von alleine entwickeln und die Autorinnen darin aufgehen. 

„Ich glaube, das macht wahres Menschsein aus: Wenn Du tiefes, echtes Glück empfinden willst, darfst Du Dich auch vor dem Unglück nicht fürchten.“ – Seite 98

Auf mich wirkt der Handlungsverlauf absolut authentisch, niemals übertrieben oder langweilig. Ich konnte mich mit beiden Figuren auf unterschiedliche Weise gut identifizieren und würde wirklich gerne wissen was aus den beiden Frauen geworden ist. Sollte es irgendwann eine Fortsetzung geben, so werde ich sie definitiv lesen!

Und was hat es nun mit dem Reh auf sich?
Na, das müsst ihr wohl selber herausfinden 🙂 

Ich vergebe 5 von 5 Sternen!

Hier gelangt ihr zur kostenlosen Leseprobe: Klick

Stephanie Jana (geb. 1975), Autorin der „Bine“, und Ursula Kollritsch
(geb. 1972), Autorin der „Bella“, sind eng befreundet. Als
freiberufliche Lektorin bzw. Texterin kooperieren die Wortliebhaberinnen
seit Jahren in ihrem beruflichen Alltag. Sowohl geschäftlich als auch
privat schreiben sie sich fast täglich E-Mails über Großes und Kleines.
Die beiden Autorinnen leben mit ihren Familien in Bonn/Bad Honnef.

Vielen Dank an Vorablesen und den Ullstein Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

2 Gedanken zu „Stephanie Jana & Ursula Kollritsch – Das Jahr des Rehs [Rezension]

  1. Hallo, 🙂
    eine schöne Rezi! 🙂 Das klingt wirklich toll. 🙂 Vor allem finde ich es interessant, dass die Autorinnen sich in die Protagonistinnen hineinversetzt und diese E-Mails geschrieben haben. 🙂 Das Buch werde ich mir direkt mal notieren. 😉

    Liebe Grüße,
    Marina

    1. Liebe Marina,
      schön dass ich dich neugierig machen konnte! Und danke sehr für dein Feedback 🙂

      Irgendwie macht es das ganze noch realistischer, dass die beiden Autorinnen sich die Emails echt gegenseitig geschrieben haben. Das wusste ich auch vorm lesen gar nicht und hinterher hab ich mir gedacht "Ach, das passt ja wirklich" 🙂

      Ich bin gespannt was du dazu sagst wenn du es gelesen hast.

      Liebe Grüße!

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