Lilly Lindner – Was fehlt, wenn ich verschwunden bin [Rezension]

Titel: Was fehlt, wenn ich verschwunden bin
Autor: Lilly Lindner
Genre: Roman
Erschienen: 19.02.2014
Verlag: Fischer Verlag
Seiten: 400
erhältlich als: Broschur, eBook
Reihe: nein

„April ist fort. Seit Wochen kämpft sie in einer Klinik gegen ihre
Magersucht an. Und seit Wochen antwortet sie nicht auf die Briefe, die
ihre Schwester Phoebe ihr schreibt. Wann wird April endlich wieder nach
Hause kommen? Warum antwortet sie ihr nicht? Phoebe hat tausend Fragen.
Doch ihre Eltern schweigen hilflos und geben Phoebe keine Möglichkeit,
zu begreifen, was ihrer Schwester fehlt. Aber sie versteht, wie
unendlich traurig April ist. Und so schreibt sie ihr Briefe. Wort für
Wort in die Stille hinein, die April hinterlassen hat.“ [Quelle:klick

 
Das
Cover ist einfach nur passend. Das „ich“, welches sich auflöst und wegfliegt.. Der blaue Himmel, die weiße Schrift, es ist einfach perfekt wenn man das Buch gelesen hat. Es ist sanft und trotzdem erschütternd. Ich mag das Cover sehr gerne.
Liebe April,
du bist jetzt schon fast eine Woche weg, und ohne dich ist es schrecklich langweilig hier.
 

Der Inhalt… Was soll man über dieses Buch sagen, was KANN man überhaupt sagen, ohne etwas vorwegzunehmen? „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ ist ein Buch in Briefform und es dreht sich um die Schwestern April und Phoebe. April befindet sich in einer Klinik und kämpft dort gegen ihre Magersucht. Aber kämpft sie überhaupt? Oder ist es nur das was ihre Familie sich von dem Aufenthalt erhofft? Weiß ihre kleine Schwester Phoebe alles oder enthalten die Eltern ihr Informationen vor? 

Phoebe schreibt Briefe, allesamt an April, in kurzen Abständen und mal in längeren. Doch sie erhält keine Antwort von April und besuchen kann sie sie auch nicht. So stellt Phoebe Fragen, die unbeantwortet zwischen den Zeilen verpuffen. Auf die sie sich selbst Antworten geben muss, Antworten, die hin- und hergerissen sind zwischen Hoffnung und Verzweiflung. 
Auch der Leser schwebt zwischen diese beiden Gegensätzen und hofft, dass alles irgendwie am Ende doch noch gut wird. 

Lilly
Lindner sagte über dieses Buch sie selbst sei April und Phoebe – und das
merkt man. Sie steckt so viel Herzblut, so viel Verzweiflung und Angst
in jede Zeile, dass man einfach nicht anders kann als sich zu fragen,
wie viel von diesem Buch autobiographisch ist. Und es ist nicht schwer
sich diese Frage zu beantworten, sie ist nur ein paar Klicks weit
entfernt und auch das ist eigentlich überflüssig. 

Meine schlechten
Tage sind unregelmäßig. Manchmal habe ich zwei hintereinander und
manchmal habe ich eine Woche lang keinen einzigen. Aber seit du nicht
mehr hier bist, sind auch die guten Tage kaputt.
– Seite 51 
  
Dieses Buch tut
weh. Denn es trifft mitten ins Herz, geht unter die Haut und krallt
sich dort fest. Man leidet mit Phoebe, hofft dass April bald zurückkommt
und möchte die Eltern am liebsten durchschütteln. 
Die negative Entwicklung, die Phoebe im Laufe der Zeit durchmacht, ist wirklich erschütternd. Und sie ist so nah an der Realität, dass man ein ganz großes Bedürfnis danach hat, sie an die Hand zu nehmen und zu sagen „alles wird gut, auch wenn du es jetzt noch nicht glaubst“. Gleichzeitig fragt man sich aber „Wird wirklich alles gut?“. Ob das so ist müsst ihr natürlich selbst rausfinden.  
„Wozu gibt es Kontext, wenn ihn keiner versteht.“ – Seite 303 
Die Sprache in „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ spielt eine unheimlich große Rolle. Es sind so viele kleine Wortspiele eingebaut und jeder Satz ist auf seine ganz eigene Art etwas ganz besonderes. Die Worte an sich sprechen eine ganz eigene Sprache, tanzen durch die Seiten und Lilly Lindner fängt sie ein. Das ist wirklich ein großes Talent und ich bin beeindruckt von der Leichtigkeit, mit der sie dieses Kunststück vollführt. Auch in Interviews und in der Lovelybooks-Leserunde ist mir das sehr positiv aufgefallen. 
Schwestern müssen schließlich zusammenhalten, weil man zusammen viel mehr halten kann als alleine. – Seite 17

Dieses Buch ist, wie schon erwähnt, mit Sicherheit zu einem großen Teil autobiographisch. Wie wohl jedes Buch von Lilly Lindner ein Stückchen ihres Wesens beeinhaltet… Ich hab es sehr gerne gelesen und mit April und vor allem mit Phoebe mitgelitten und gehofft. Gäbe es eine Fortsetzung, wie etwa ein Rückblick einige Jahre später, dann würde ich diese sofort lesen. Das halte ich aber leider für ausgeschlossen.

Ich vergebe sehr gern 5 von 5 Sternen und lese mich jetzt durch ihre anderen Werke. Auf jeden Fall auch etwas für Fans von Antonia Michaelis!

Hier gelangt ihr zur kostenlosen Leseprobe: Klick

Lilly Lindner wurde 1985 in Berlin geboren. Bereits mit fünfzehn begann
sie autobiographische Texte und Romane zu schreiben. Viel Zeit verbringt
sie heute mit der Arbeit mit Kindern.

2 Gedanken zu „Lilly Lindner – Was fehlt, wenn ich verschwunden bin [Rezension]

  1. Hallöchen,
    ich habe das Buch auch voller Emotionen und innerlicher Hin und Hergerissenheit gelesen.
    Ich fand es wirklich sehr toll und ich finde, dass Lilly Lindner einfach eine Wortakrobation ist.
    Ich habe deine Rezension bei mir verlinkt und ich hoffe das ist okay für dich.
    Dein Blog ist wirklich wunderschön! 🙂

    Liebst, Lotta

  2. Hallo 🙂

    Da Bloggervernetzt ja leider auf Eis gelegt wurde, wollte ich eine neue Buchblogger-Vernetzungsseite eröffnen.
    Dafür habe ich deine Rezension verlinkt. Solltest du das nicht wollen, dann gib mir Bescheid und ich lösche es umgehend wieder 🙂
    Natürlich kannst du mir jederzeit die Links deiner Rezensionen schicken, die ich dann einfügen werde.

    Du findest meine neue Seite hier:
    http://bloggernetzwerk.blogspot.de/

    Einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche 🙂

    Franziska

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.