Marc Elsberg – Zero [Rezension]

Titel: Zero
Autor: Marc Elsberg
Genre: Roman
Erschienen: 26.05.2014
Verlag: blanvalet
Seiten: 480
erhältlich als: Hardcover, eBook, Hörbuch
Reihe: nein

„London. Bei einer Verfolgungsjagd wird ein Junge erschossen. Sein Tod
führt die Journalistin Cynthia Bonsant zu der gefeierten
Internetplattform Freemee. Diese sammelt und analysiert Daten – und
verspricht dadurch ihren Millionen Nutzern ein besseres Leben und mehr
Erfolg. Nur einer warnt vor Freemee und vor der Macht, die der
Online-Newcomer einigen wenigen verleihen könnte: ZERO, der
meistgesuchte Online-Aktivist der Welt. Als Cynthia anfängt, genauer zu
recherchieren, wird sie selbst zur Gejagten. Doch in einer Welt voller
Kameras, Datenbrillen und Smartphones gibt es kein Entkommen“[Quelle:klick

 
Das Cover ist sehr schlicht, der Hintergrund schwarz und ansonsten nur Titel/Autor etc. zu erkennen. Man kann vom Cover nicht auf den Inhalt schließen. Ich finde es nicht besonders herausragend aber auch nicht schlecht. Bei dem Thema des Buchs wären aber sicherlich spektakulärere Aufmachungen möglich gewesen.

„Hast du Steine da drin?“, ächzt Cynthia Bonsant, als sie einen Umzugskarton auf den Arbeitsplatz ihres neuen Tischnachbarn wuchtet.

 

Cynthia Bonsant ist eine ganz normale Mutter, mit normalen Sorgen um ihre jugendliche Tochter Viola, die eine schwierige Phase hinter sich hat, seit einiger Zeit aber wieder ein besseres Verhältnis zu ihrer Mutter aufgebaut hat. Cynthia ist Journalistin und hat von moderner Technik nicht viel Ahnung, weswegen sie auch von den jüngsten Ereignissen überrascht und schockiert wird.

Eine Gruppe Internetaktivisten, die sich Zero nennt, verübt ein Attentat auf die Privatsphäre des amerikanischen Präsidenten, bei dem er von mehreren Dronen in seinem privaten Umfeld gefilmt wird. Dies findet als Livestream statt und die ganze Welt sieht zu. Zudem veröffentlicht Zero anonym und verschlüsselt einige Videos im Internet, die darauf abzielen die Öffentlichkeit für Datenkraken zu warnen und Aufklärungsarbeit zu leisten. 

Denn einige Unternehmen, allen voran die Frima Freemee, sammeln Daten um angeblich das Leben der Menschen zu vereinfachen, besser zu machen und sie zu unterstützen. Doch was steckt wirklich dahinter? Violas Freund Adam kommt bei einer Hetzjagd ums Leben und ein anderer Freund – Eddie – findet heraus, dass mit der Sterblichkeits-Rate unter Freemee’s Nutzern etwas nicht stimmt. Und nicht nur Cynthia möchte herausfinden, was alles hinter diesem großen Daten-Regime steckt.

Datenklau und Manipulation durch das Sammeln von Daten sind mittlerweile keine Geheimnisse mehr. Internetznutzer wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie Google benutzen, Facebook-Konten eröffnen und alles via Amazon kaufen. Ihre Daten werden gesammelt und schnell weiß das Internet mehr über sie als sie sich vorstellen können.
 
Das was ist wenn man das ganze noch weiter treibt? Wenn man durch diese Daten, die z.B. das Einkaufsverhalten von Menschen darstellen, auch etwas über die zukünftige Handlungsweise von ebendiesen Menschen vorhersagen kann? Was wenn man nicht nur weiß, was Person x morgen tun wird, sondern man es auch noch beeinflussen kann? Und zu guter Letzt: Was ist, wenn Person x sogar zu Handlungsweisen getrieben werden kann, die sie bewusst gar nicht selbst treffen würde? 
 
„Du glaubst doch nicht wirklich, dass Freemee diese Menschen in den Tod getrieben hat?“ „Nicht absichtlich, obwohl… […] Vielleicht war es eine Art Betriebsunfall. […] Big Datas Tschernobyl. Wäre kein Wunder, angesichts der Art, wie Software heute auf den Markt gebracht wird: Als permanente Testversion. Wir sind alle nichts als Labortierchen für die Entwickler.“ – Seite 325
 
Die Stadt ist Videoüberwacht, Menschen tragen freiwillig Smartwatches oder Datenbrillen, die sogar live jedes Gesicht erkennen können und dem Träger anzeigen, wie das Gegenüber heißt, wie alt es ist und wo es arbeitet. Und ob es polizeilich gesucht wird. 
Eine Homepage, mit der die Menschen ihre eigenen Daten sammeln können – und verkaufen. Sogenannte ActApps, mit denen sie sich individualisierte Tipps für alle Bereiche des Lebens geben lassen können. Für die Liebe, Erfolg, Geld, Sport, bessere Schulnoten, einfach alles.
Eine „Lebenshilfe“, die gern von der breiten Masse angenommen wird. Dass damit sogar Daten wie der Hautwiderstand, Puls oder aktueller Standort festgehalten und weiterverarbeitet werden, ist den Nutzern dabei gleichgültig. Sie denken nicht darüber nach, was mit den Daten alles geschehen kann.
 
„Wer sagt denn, dass Sie die Welt wirklich zu einem besseren Ort machen wollen? Und ob Ihr Besser auch mein Besser ist?“ – Seite 358
 
Und so ist es doch auch nicht nur in „Zero“ sondern in der wirklichen Welt. Dieses Szenario, was Marc Elsberg hier erschaffen hat, ist nicht besonders weit hergeholt. Zum Teil ist es schon Realität, wie er selbst auch im Prolog mit seinen Lesern teilt. Die Datenbrillen gibt es und der Schritt zu derer missbräuchlichen Verwendung ist meiner Meinung nach kein großer. Für höheres Ansehen, mehr Erfolg und Beliebtheit tun die Menschen alles. Und das zeigt „Zero“ ganz klar. 
 
„Zero“ war für mich erschreckend realistisch aber es war leider auch sehr nüchtern. Die Charaktere blieben für mich zu blass, das ganze Buch war sehr emotionslos und das ist nicht so mein Ding. Ein wenig mehr Tiefe hätte den Protagonisten meiner Meinung nach sehr gut getan.
 
Auch waren es für mich viel zu viele verschiedene Personen und Handlungsstränge. Ich bin teilweise ziemlich durcheinander gekommen, musste noch mal zurückblättern und überlegen wer jetzt wer war. Durch die verschiedenen Handlungsstränge zieht sich das Buch im 2. Drittel auch etwas, ich denke 100-150 Seiten weniger wären nicht schlimm gewesen. 
 
Das Thema ist wirklich ein spannendes und es ist auch sehr gut von Marc Elsberg umgesetzt worden. Allerdings muss ich 2 Sterne abziehen weil es mir zu viele Personen waren und diese für meinen Geschmack auch zu blass bleiben.
Dennoch war es ein gutes spannendes Buch, welches man mal gelesen haben sollte. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren. Er war Kolumnist der
österreichischen Tageszeitung »Der Standard« sowie Strategieberater und
Kreativdirektor für Werbung in Wien und Hamburg. Heute lebt und arbeitet
er in Wien.

Hier geht es zur Leseprobe!

Ganz herzlichen Dank an blanvalet für den netten Kontakt und die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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