Diana Rautenberg – Real Life 2 [Rezension]

Titel: Real Life 2
Autor: Diana Rautenberg
Genre: Roman
Erschienen: 07.04.2014
Verlag: Self Publishing
Seiten: 620
erhältlich als: eBook
Reihe: ja, Teil 2/2

„Hi, mein Name ist Jojo und mein Motto lautet: Life sucks!

Ich bin ein Freak, weiblicher Nerd und Internetjunkie, mit einer Million gestörter Persönlichkeits-Facetten und

‚Alienstrichcode‘ auf den Unterarmen.
Mein Therapeut erzählt
mir ständig irgendetwas von Integration und sozialer Kompetenz. Aber –
ganz ehrlich – ich will das nicht.
Ich wähle den Real-Life-Exit, entscheide mich aus tiefster Überzeugung gegen Therapie und Anpassung, und gehe lieber Leveln.“ [Quelle:klick]

Das Cover ist wie bei Teil 1 sehr schlicht, schwarzer Hintergrund, pinke Schrift, das wars. Auffällig unauffällig, passt also irgendwie auch wieder gut zum Buch.
Toby knallte die Autotür zu. „Wir sind hier falsch.“

 

Teil 2 von „Real Life“ geht nahtlos dort weiter, wo Teil 1 aufhörte. Jojo ist am Ende ihrer Kräfte, nah am Abgrund und auf dem Weg zu einer Klinik denn Jojo hatte sich fast das Leben genommen. Wieder mal. Ihr Mann Toby fährt sie ins Krankenhaus und von da an beginnt ein weiter schwerer Weg für Jojo denn sie soll den Weg aus der Depression zurück ins Leben finden.
Sie verbringt einige Zeit in einer psychatrischen Klinik und versucht dort wieder klarzukommen. Das gelingt zum Teil auch, doch trotzdem zieht es sie gedanklich immer wieder zu ihrer Online-Bekanntschaft Shen, in den sie sich hoffnungslos verliebt zu haben scheint. Als ihr Therapeut ihr dann auch noch vorschlägt, sie solle sich doch wieder online in ihrem Lieblingsspiel blicken lassen um sich den Dingen zu stellen, beginnt aber eigentlich alles wieder von vorne. Wieder verrennt sie sich in der Online-Welt, sieht sich mit Shen konfrontiert und für Jojo dreht sich alles um ihr virtuelles Leben.
Doch Shen regt sie dazu an ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, ihm alles zu erzählen und so setzt sie sich mit sich selbst auseinander. Als es dann auch noch zu einem echten Treffen der Mitspieler kommen soll, stellt sich für Jojo die Frage ob sie sich dem gewachsen fühlt.

Jojo ist kaputt. Sie ist ein zerbrochener Mensch, der schon sehr viel durchgemacht hat und nach mehreren Selbstmordversuchen immer noch atmet. An ihrer Seite hat sie ihren Mann Toby und der arme Kerl versucht alles um sie aus dem Sumpf ihrer Gefühle zu holen. Klappt nur leider nicht so richtig.
Jojo ist einige Zeit in der Klinik und nimmt dort alles nicht so richtig ernst. Als ihr Therapeut ihr aber eröffnet, sie solle sich doch wieder im Online-Spiel blicken lassen, nimmt sie das sehr ernst. Am Tag ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus ist ihre erste Amtshandlung sich von Toby einen neuen Computer – einen für sie ganz alleine – besorgen zu lassen, damit sie wieder voll einsteigen kann. Ob das wirklich so eine gute Therapie-Methode ist wage ich zu bezweifeln.
Ich war Hauptdarsteller in meinem ganz persönlichen Ambivalenz-Armageddon: Ich war Chaos und Kosmos. – Seite 3

Online trifft sie wieder auf Shen, der schon in Teil 1 eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Die beiden spielen ein Katz-und-Maus-Spiel und ich dachte mir beim lesen mehr als ein Mal „Jetzt reißt euch doch endlich mal zusammen!“. Doch leichter gesagt als getan.
Shen bringt Jojo doch nach und nach dazu ihre Vergangenheit vor ihm auszubreiten, was für den Leser bedeutet, dass er sehr viel mehr Einblick in Jojos Handlungen und Entscheidungen erhält. Ihre Persönlichkeitsstörung kommt nicht von ungefähr und ich kann sie sehr gut verstehen wenn ich mir ihre Vergangenheit vor Augen halte. Ich schwankte beim lesen stets zwischen Mitleid, Fremdschämen und dem Wunsch, zu helfen.

Mein Herz zerbrach augenblicklich. Ich hörte es klar und deutlich: Knack. – Seite 128

Wohin das Spielchen mit Shen führen würde war mir früh klar und es war auch meiner Meinung nach unumgänglich und realistisch. Nur der arme Toby tat mir wirklich leid und ich hab mich nicht nur ein Mal gefragt, wieso er es überhaupt noch mit Jojo aushält. Er rückt auch immer mehr in den Hintergrund und wird zu einer unerwünschten nichtigen Nebensächlichkeit. Das ist wohl auch leider eine sehr realistische Entwicklung.

Wenn ich mir wehtun konnte, fühlte ich mich im Gleichgewicht. – Seite 366

Ich bin mir sehr sicher, dass vieles in diesen beiden Büchern autobiographischer Natur ist und das machte das lesen einerseits sehr interessant, andererseits aber auch noch schrecklicher. Auch wenn einige Gedanken von Jojo absolut kein Neuland für mich sind und ich mich da teilweise gut drin wiederspiegel, finde ich es dennoch erschreckend wie sehr man sich selbst kaputt machen kann und es auch so will. Hass und Liebe liegen nahe beieinander.

Keine Angst, ich bin kein Rassist. Ich bin Misanthrop. Ich hasse alle gleich. – Seite 496

Das Ende war absolut perfekt für dieses Buch und ein würdiger Abschluss für die beiden Teile „Real Life“. Ich werde die Autorin weiterhin im Auge behalten, auch wenn ich nicht denke dass da noch mal ein Buch nachkommen wird.
Alles in allem kann ich es so zusammenfassen: Schonungslos ehrlich, furchtbar realistisch und jeder Satz ein Schlag ins Gesicht. Ich habe „Real Life 2“ sehr gerne gelesen und kann dafür überzeugte 5 von 5 Sternen vergeben. Es sollte mehr solcher Bücher geben.
Hier gelangt ihr zur kostenlosen Leseprobe: Klick

Diana Rautenberg wurde in Bielefeld geboren. Nachdem sie hochgradig aus
ihrer Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten geflogen
ist, ließ sie sich in die Psychiatrie einweisen. Mit der Diagnose F
60.31 im Gepäck macht sie sich 2007 auf, um in Neuseeland zu leben.
Heute
lebt sie zurückgezogen auf 90 qm², zockt MMO’s und organisiert ihr Leben über das
Internet.

Hier geht es zu meiner Rezension zu Teil 1:

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