Daniel Glattauer – Geschenkt [Rezension]

Quelle

Titel: Geschenkt
Autor: Daniel Glattauer
Genre: Roman
Erschienen: 25.08.2014
Verlag: Deuticke
Seiten: 336
erhältlich als: eBook, Hardcover
Reihe: nein

„Gerold Plassek ist Journalist bei einer Gratiszeitung. Bei ihm im Büro
sitzt der 14-jährige Manuel, dessen Mutter im Ausland arbeitet. Er
beobachtet Gerold beim Nichtstun und ahnt nicht, dass dieser Versager
sein Vater ist. Gerold fehlt jeder Antrieb, die Stammkneipe ist sein
Wohnzimmer und der Alkohol sein verlässlichster Freund. Plötzlich kommt
Bewegung in sein Leben: Nach dem Erscheinen seines Artikels über eine
überfüllte Obdachlosenschlafstätte trifft dort eine anonyme Geldspende
ein. Das ist der Beginn einer Serie von Wohltaten, durch die Gerold
immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt. Und langsam
beginnt auch Manuel, ihn zu mögen … – Ein so spannender wie anrührender
Roman, der auf einer wahren Begebenheit beruht.“ [Quelle:klick

 
Das Cover sprang mir direkt ins Auge weil es eine recht ungewöhnliche Farbe hat, ich würde es als Türkis bezeichnen. Es sind zwei Papierflieger abgebildet, die vermutlich aus einem Zeitungsartikel gefaltet sein sollen. Das Cover ist sehr schlicht gehalten und ich finde es gerade deswegen sehr passend für die Geschichte und mag es gerne.
Meinen Sohn hätte ich mir anders vorgestellt.
 

Gerold Plassek ist ein Mann mittleren Alters, der so einige Probleme hat, sich diese aber selbst nicht eingestehen möchte. Sein bester Freund ist der Alkohol und das ist auch die einzige Gemeinsamkeit, die er mit seinen vermeintlichen Freunden hat, die er ausschließlich allabendlich in der Zoltan’s Bar trifft um sich gemeinsam die Welt schön zu trinken. Für Gerold ist sein Alkoholkonsum völlig normal und überhaupt nicht besorgniserregend. 

Viel besorgniserregender findet er, dass er eines Tages plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt wird: Er ist Vater eines 14-jährigen Sohnes, von dem er bis dato nichts wusste und ebendieser Sohn soll wird für einige Monate eine große Rolle in Gerolds Leben spielen denn er soll auf ihn aufpassen. Der Sohn, Manuel, soll nach der Schule die Nachmittage in Gerolds Büro verbringen denn Manuels Mutter muss einige Monate beruflich nach Somalia und da fällt ihr nach 14 Jahren ein, dass das Kind ja auch einen Vater hat.

Gerold arbeitet als Journalist in einem Wiener Boulevard-Blatt und ist nicht besonders stolz darauf. Er kümmert sich um kurze Anzeigen, die sogenannten „bunten Meldungen des Tages“, sowie um die Leserzuschriften. Dass das keine besondere journalistische Glanzleistung ist, ist Gerold durchaus bewusst aber er sieht keinen Handlungsbedarf in seinem Leben etwas zu ändern. Und so lebt er mehr oder weniger gleichgültig vor sich her bis Manuel bei ihm aufkreuzt und alles verändert.

Doch nicht nur Manuel ist eine große Veränderung in Gerolds Leben denn ziemlich zeitgleich mit seinem Auftauchen geschieht noch etwas anderes. Ein anonymer Spender verschickt 10.000 € in einem Kuvert an ein Obdachlosenheim, über das Gerold am Vortag einen seiner kurzen Berichte veröffentlicht hatte. In dem Kuvert liegt der Zeitungsartikel bei und in der nachfolgenden Zeit häufen sich diese anonymen Spenden, jedoch sind sie immer bezogen auf Gerolds Artikel.

Aber warum? Wer ist der anonyme Spender und wieso wählt er ausgerechnet Gerolds Artikel aus? Gerold fängt an mit Manuel zusammen immer mehr Berichte zu schreiben und wechselt schließlich die Zeitung, was sich als echter Glücksgriff entpuppt.

Daniel Glattauer hat mich in seinem neusten Buch „Geschenkt“ schon bei der ersten Seite gehabt. Dass die Geschichte direkt mitten drin einsteigt, nämlich als Manuel schon bei Gerold im Büro sitzt, finde ich sehr gelungen. So kann man sich direkt ein Bild davon machen, wie die beiden miteinander umgehen – oder eher nicht umgehen denn zu Beginn ist ihr Verhältnis sehr unterkühlt. Kein Wunder, weiß Manuel ja auch überhaupt nicht, dass Gerold sein Vater ist und nicht nur ein alter Bekannter seiner Mutter, der offensichtlich nichts auf die Reihe bekommt und zudem ein Alkoholproblem hat. Damit kann Manuel mit seinen 14 Jahre nicht viel anfangen und so verschließt er sich und nimmt eine deutlich desinteressierte und abwehrende Haltung gegenüber Gerold ein.

Elf Uhr früh,
das war ehrlich gestanden noch nicht ganz meine Zeit, da war ich zwar
scheinbar schon anwesend, doch mein Kreislauf wartete noch auf das
Schwenken der Fahnen zum Start für die ersten Aufwärmtrainingsrunden. –
Pos. 303
Aber
dann hatte ich plötzlich das Bedürfnis, mich zu testen, ob ich auch
nein zu Alkohol sagen konnte, nur mal so aus Spaß. Nun, ich holte die
Flasche aus dem Schrank, stellte sie auf den Couchtisch, sah sie an und
sagte „Nein!“… Die Flasche war leer. Zum Glück waren noch zwei Dosen
Bier im Kühlschrank. –
Pos. 491

Doch ihr Verhältnis bessert sich als die anonyme Spendenserie beginnt und die beiden fangen an zusammen an den Artikeln zu arbeiten. Spätestens als er mit solch einem Artikel seinem besten Freund helfen kann, blüht Manuel regelrecht auf.

Die
letzte Schnapsflasche war leider bereits halbleer – nein, nicht
halbvoll, sondern eindeutig halbleer. Und ich war sonst eher ein
Schönfärber, überhaupt bei Alkohol, da ging es oft bis ins Tiefblaue
hinein. – Pos. 2273

Und auch Gerold sieht seinem Leben nicht mehr nur tatenlos zu sondern fängt an es in die eigenen Hände zu nehmen und Dinge zu verändern. Z.B. gibt es da ja auch noch ein anderes Kind, Florentina, die er selten sieht, für die er aber ein Idol zu sein scheint. Und auch eine Frau erweckt Gerolds Interesse. Was so bleibt wie es ist ist Gerolds inniges Verhältnis zu allem was Umdrehungen vorzuweisen hat und seine entspannte Art, die Dinge so hinzunehmen wie sie nunmal sind.

 Ich
empfand das Leben generell nämlich als durchgängige Serie von
Vorbereitungen auf etwas Irrationales, das dann niemals stattfand,
während einen die wirklich bahnbrechenden Ereignisse stets unvorbereitet
trafen, wie zum Beispiel Geburt, Windpocken, Verliebtheit, Impotenz und
Tod, in meinem Fall auch Vaterschaft. –
Pos. 1233

Daniel Glattauers Schreibstil gefiel mir ja in „Ewig Dein“ schon unheimlich gut. Ich würde aber fast sagen, dass er mit in „Geschenkt“ noch besser gefallen hat. Mit seinem trockenen Humor hat er mich wirklich oft zum Lachen gebracht und das schafft ein Buch bei mir nicht so einfach. Es gibt so viele Zitate, die ich euch gerne mit in meine Rezension schreiben würde, es aber nicht tue weil sie sonst aus allen Nähten platzen würde. Deswegen werde ich noch mal einen gesonderten Zitate-Post schreiben, kam ja für „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ganz gut bei euch an 🙂 
[…] Was ich besonders unfair fand, weil auch Perspektivlosigkeit immer eine Frage der Perspektive war. – Pos. 2220
Ich bin wirklich ein riesen Fan von Glattauer geworden und muss nun unbedingt alle anderen Bücher auch noch lesen. Ich hoffe ich konnte euch ein Bisschen anstecken!
Wenn nicht dann zieh ich noch ein Ass aus dem Ärmel: Die Grundidee der Spendenserie beruht auf einer wahren Begebenheit! 2011 gab es das „Wunder von Braunschweig“, bei dem eine Reihe von hohen Geldbeträgen anonym gespendet wurden und den Spenden lagen Zeitungsartikel bei. 


Von der Anstrengung her hatte ich Montagmittag bereits genug für die ganze Woche. – Pos. 1262

Das Ende von „Geschenkt“ hat mich ein Bisschen schockiert weil es doch noch viele Fragen für mich offen gelassen hat. Da ich euch nicht zu viel vorwegnehmen möchte kann ich an dieser Stelle nicht sagen welche Fragen ich mir noch stelle aber so viel sei gesagt: Wenn ich die Möglichkeit hätte würde ich Glattauer gerne schütteln und sagen „Das kannst du doch nicht machen!“.

Ich vergebe sehr begeisterte 5 von 5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung für alle Menschen mit Humor!

Hier gelangt ihr zur kostenlosen Leseprobe: Klick

Daniel Glattauer, geboren 1960 in Wien, Autor und ehemals Journalist.
Bücher (u.a.): Die Ameisenzählung (2001), Darum (2003), Die Vögel
brüllen (2004), Der Weihnachtshund (Neuausgabe 2004), Theo. Antworten
aus dem Kinderzimmer (2010). Mit seinen beiden Romanen, Gut gegen
Nordwind (2006) und Alle sieben Wellen (2009), gelangen ihm zwei
Bestseller, die in zahlreiche Sprachen übersetzt und auch als Hörspiel,
Theaterstück und Hörbuch zum Erfolg wurden. Im Deuticke Verlag sind auch
der Roman Ewig Dein (2012) und die Komödie Die Wunderübung (2014)
erschienen. 2014 erscheint sein neuester Roman Geschenkt.

Ich möchte mich ganz herzlich bei Susanne Roessler vom Deuticke Verlag für das Rezensionsexemplar und den herzlichen Kontakt bedanken!

Hier geht es zu meiner Rezension von „Ewig Dein“:

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