Johannes Groschupf – Lost Places [Rezension]

Titel: Lost Places
Autor: Johannes Groschupf
Genre: Roman | Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2013
Verlag: Oetinger
Seiten: 237
erhältlich als: broschiert, E-Book

„Die Jugendlichen Chris, Moe, Kaya, Steven und Lennart sind Urban Explorers: Im nächtlichen Berlin erkunden sie stillgelegte Fabriken, leer stehende Häuser und verfallene Krankenhäuser. Doch was als aufregendes Abenteuer beginnt, wird bald ein riskantes Unterfangen. Denn die verlassenen Gebäude bergen nicht nur Charme, sondern auch Schrecken. Als die Freunde in einem halb verfallenen Haus eine Leiche entdecken, vermuten sie, dass die Motorradgang Bandidos dahintersteckt. Und dann wird es richtig gefährlich.“

[Quelle:klick]

Lost Places finde ich sehr interessant und wie ihr ja bereits auf meinem Blog gesehen habt bin ich selbst sehr gerne als Urban Explorer unterwegs – unter anderem auch schon in Berlin. Dieses Buch sprang mich also förmlich an und es führte kein Weg daran vorbei, es zu lesen. Ich hatte ein Wenig die Hoffnung, vielleicht für mich neue Lost Places in Berlin kennenzulernen und der Klappentext klang vielversprechend und spannend.
Ich hatte also hohe Erwartungen – die leider nicht ganz erfüllt werden konnten.
Wir lernen eine Gruppe Jugendlicher kennen, die in ihre Sommerferien starten und ganz unterschiedlich sind. Lennart, die Hauptfigur, verbringt seine Freizeit am liebsten mit kiffen und verhaut alle wichtigen Klausuren in der Schule. Daneben lernen wir Moe, Kaya, Chris und Steven kennen, wobei wir über Steven wenig erfahren und über Chris ein Wenig.
Die Persönlichkeit von Moe und Kaya wurde weitaus mehr ausgearbeitet, was mir auch gut gefiel. Besonders Moe ist mir sehr symphathisch, da sie eher die Ruhige und geheimnisvolle in der Gruppe ist.

Es ist mir bisher noch nie passiert (ich kann mich zumindest nicht erinnern), dass ich die Hauptfigur eines Buches unsymphathisch fand. Leider muss ich sagen, dass es auch dafür ein erstes Mal zu geben scheint denn mit Lennart konnte ich zu Beginn so gar nichts anfangen.
Er kifft den ganzen Tag, vernachlässigt die Schule und alles andere, ist verantwortungslos und hat somit wenig Überschneidungspunkte mit meiner eigenen Zeit als Jugendliche (die noch nicht so lange her ist). Das einzige an ihm was meine Symphathie bekam ist seine Zuneigung zu Moe.

Im Laufe der Geschichte kann ich mich zwar ein Wenig mehr mit Lennart identifzieren, so richtig überzeugen kann er mich allerdings die ganze Zeit über nicht.

Die Story an sich ist eigentlich gut und verspricht Spannung durch die gefundene Leiche, da hörte es für mich persönlich aber auch schon mit der Spannung auf. Ich hatte erwartet die Leiche wäre ein Mittelpunkt der Handlung, jedoch liegt der Schwerpunkt viel eher auf einer Drogendealer-Bande aus der Berliner Türsteher-Szene.
Auch im weiteren Handlungsverlauf konnte für mich keine Spannung aufkommen, die Ereignisse waren meiner Meinung nach sehr vorhersehbar und es gab keine unerwarteten Wendungen, was ich sehr schade finde.

Was mich sehr gestört hat an „Lost Places“ ist der Sprachstil der Jugendlichen. Dieser wird dominiert von prolligen „Digga“-Sprüchen und hat mich mehr als einmal genervt aufstöhnen lassen. Ich finde es wirkt hier keineswegs authentisch und hat für mich eher einen Fremdschäm-Faktor. Im Buch selbst sagt Lennart irgendwann, dass er jugendliche Sprache bei seinen Eltern peinlich und aufgesetzt findet und da kann ich ihm in Bezug auf dieses Buch zustimmen. Dieses Sprachelement hätte für mich wirklich nicht sein müssen.

Ich muss auch noch etwas zu den Lost Places loswerden.
Ich war von Beginn an zwiegespalten, was ich von dem Thema halten soll denn ich habe Bedenken, dass die Locations zu gut beschrieben sind und nun noch mehr Menschen auf die Idee kommen, sie zu besuchen. Leider gibt es sehr sehr viele Menschen, die solche Orte nicht einfach nur toll finden sondern sie verunstalten, verschmutzen, besprayen und dort klauen und randalieren. Das finde ich sehr schade und das muss unbedingt vermieden werden. Deswegen ist es in der Urban Explorer-Szene ganz normal, dass man keine Locations an Fremde preisgibt. Die Locations in diesem Buch sind so gut beschrieben, dass ich mir sicher bin dass jeder sie mit ein Bisschen Suchen leicht finden kann. Ich weiß nicht was ich davon halten soll und hätte mir da ein Bisschen mehr Diskretion gewünscht.
Ich bin mir auch im Klaren darüber, dass man in einige der Gebäude durch geführte Touren Eintritt bekommen kann aber sein wir mal ehrlich: Wer randalieren will der verschafft sich einfach selbst Zutritt und die Leute gibt es oft genug.

Alles in allem bin ich nach dem Lesen von „Lost Places“ enttäuscht, fand es aber nicht wirklich schlecht. Als Jugendbuch ist es bestimmt gut geeignet und für jemanden, der noch nie in einem verlassenen Gebäude war, ist es mit Sicherheit auch ein netter Einblick.
Für alle, die sich schon mehr mit dem Thema auseinandergesetzt haben und selbst schon aktiv waren, ist es ein Bisschen mau.

So leid es mir tut kann ich hier leider nur 2 von 5 Sternen vergeben.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Lovelybooks und dem Oetinger Verlag für das Rezensionsexemplar und die nette Leserunde bedanken. Auch ganz lieben Dank an den netten Autor Johannes Groschupf, der sich an der Leserunde beteiligt hat und Rede und Antwort stand.

Ein Gedanke zu „Johannes Groschupf – Lost Places [Rezension]

  1. Hi,

    schade, dass es dich nicht so begeistern konnte. Das Buch ist die Tage bei mir eingezogen und ich werde es gleich als nächstes Lesen. Ich bin richtig gespannt und neugierig, ich habe nämlich noch nie ein verlassenes Gebäude betreten.

    LG
    Anja

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